Der Balkon: Freiraum mit Grenzen

Ein Balkon ist ein Stück Freiraum außerhalb der vier Wände. Allerdings muss man sich diesen mit den Nachbarn teilen. Interessenskonflikte sind vorprogrammiert, aber nicht unlösbar – sofern man sich an ein paar Regeln hält und den gesunden Menschenverstand walten lässt.

Ferien auf Balkonien: Nicht erst seit Corona eine gute Idee. Was aber, wenn partout kein Ferien-Feeling aufkommen will, weil Nachbar Ivan in der Wohnung unten über deinen Lieblingssänger Bob Marley motzt, der ständig aus deinen Boxen röhrt? Wenn dunkler, nicht abreißender Grill-Qualm vom Balkon der Familie Schmid rechts neben dir herüber-wabert, kaum hast du dein «Schöner Wohnen»-Magazin aufgeschlagen? Oder Saras Geranien oberhalb von dir einen Blütenteppich auf deinen Balkonmöbeln hinterlassen? Auf Balkonien lauern also – ähnlich wie in der Ferienanlage an der Algarve – Ärgernisse aus allen Himmelsrichtungen.

Der Balkon, ein zusätzliches Zimmer?

Grundsätzlich schützt das Gesetz Mieter und Mieterinnen vor Rücksichtslosigkeit durch andere Mietparteien. Aber jeder Mieter ist auch verpflichtet, den Balkon sorgfältig zu nutzen. Vermieter können das geltende Mietrecht ergänzen, indem sie eine Hausordnung erlassen. Stockwerkeigentümer sind ebenfalls an die Regeln gebunden, auf welche sich die Gemeinschaft geeinigt hat.

Grob unterteilen lassen sich die zu Ärgernis Anlass gebenden Punkte in zwei Gruppen: Verhalten und Möblierung. Der Balkon gehört zur Mietwohnung wie die Zimmer im Innern der Wohnung – allerdings nur bis zum Geländer und unter Berücksichtigung der Hausordnung.

 

Verglasungen auf dem Balkon nein, Wäscheständer ja

Verglasungen, Antennen, Vorhänge, Sichtschutz oder festinstallierte Wäscheständer: Solche weitergehenden Vorrichtungen sollten auf jeden Fall mit dem Vermieter abgesprochen werden. Erlaubt ist im Allgemeinen, dass Mieter ihre Möbel auf dem Balkon nach eigenem Geschmack und Gutdünken aufstellen dürfen und dass sie die Wäsche auf dem Balkon auf einem Ständer trocknen lassen.

Erlaubt sind auch Blumenkisten oder Rankgitter, sofern diese nicht außen am Balkon angebracht werden. Damit soll verhindert werden, dass es sich Kletterpflanzen an der ganzen Hausfassade gemütlich machen, Pflanzenteile auf darunterliegende Balkone fallen oder das Gießwasser dort Pfützen hinterlässt. Außerdem ist eine solche Anordnung zum Schutz bei Unwetter gedacht. Manche Hausordnungen schreiben auch vor, dass das Ausschütteln von Besen oder Teppichen nicht gestattet ist. Wie im Mittelalter soll es ja nicht zu und hergehen, oder?

Auf dem Balkon feiern – jein

«Jetzt fallen wieder die Löcher aus dem Käse, denn nun geht sie los die Polonaise?» Jein. Auf dem Balkon darfst du zwar feiern – aber eher im kleinen Rahmen. Rauchen ist grundsätzlich erlaubt, solange die Asche nicht einfach übers Balkongeländer geschnippt wird.

Ab 22 Uhr ist auf dem Balkon Lichter Löschen angesagt. Dann muss deine lustige Runde samt Musikanlage in die Wohnung zügeln – oder sehr leise werden. Je nachdem, wo du wohnst, kannst du deinen Nachbarn mehr oder weniger zumuten. In einer klassischen Wohngegend Partys ohne Ende zu feiern, ist keine gute Idee. Im Studentenwohnheim wirst du vermutlich neben Leuten wohnen, die im Zweifelsfall beide Augen zudrücken. Vielleicht.

 

Heisses Thema: Grillieren auf dem Balkon

Tja, der Grill auf dem Balkon, vermutlich ein Thema, das die Gemüter erhitzt, seit der Hausgrill erfunden wurde. Man darf zwar auf dem Balkon grillieren. Aber so, dass es niemanden stört – was natürlich Ermessenssache ist. Konflikte sind deswegen vorprogrammiert. Ein «Zuviel» an Rauch, Lärm und Geruch können verärgerte Nachbarn auf den Plan rufen, ebenso wie ein «Zu oft».

Grillt Familie Schmid ab und zu am Wochenende, kann dagegen niemand etwas haben. Geschieht dies jeden Abend, wird es problematisch. Gestritten wird auch gerne über die Frage, wann Schluss sein soll. Wenigstens das ist klipp und klar: Um 22 Uhr muss die Grillrunde beendet sein.

Frisches oder behandeltes Holz erzeugt viel Rauch respektive ungute Dämpfe, du lässt deshalb besser deine Finger davon. Achte darauf, dass kein Fett und keine Marinade in die Glut tropft. Viele schwören beim Grillieren auf Kohle. Problemloser und ist das Grillieren auf dem Balkon mit Gas.

Recht und Ordnung auf Balkonien

Bob Marley, Dauer-Gegrille, Blütenmeer: Das alles geht im Prinzip nicht. Zumindest weißt du nun, was auf Balkonien Recht und Ordnung ist. Natürlich könnte man in diesen Fällen beim Vermieter vorstellig werden. Besser ist es aber, nicht gleich mit der Hausordnung zu drohen, sondern erst ein klärendes Gespräch mit dem allfälligen Unruhestifter zu suchen.

Denn, wer weiß: Vielleicht lädt dich Grill-Familie Schmid zu einer Wurst ein, mit Ivan einigst du dich auf andere karibische Rhythmen, und du und Sara trinken zusammen – inmitten von Blütenblättern – einen Kaffee auf dem Balkon?